Bewusst & Sein

Quarantäne statt Schulbeginn: Ein Tagebuch

Mittwoch. Zwischen zwei Online-Konferenzen schaue ich ahnungslos auf mein Handy und entdecke die Nachricht der Tanzlehrerin meiner Kinder via Whats App. „Liebe Eltern! Wir haben leider ein Kind mit einem positiven Test in der Gruppe …“ Ich merke sofort, wie es mir den Magen zusammenzieht. „8 Kinder, davon 2 meine und von den restlichen 6 hat eines Corona. Jackpot.“, schießt es mir durch den Kopf und weiter:„10 Minuten habe ich noch bis zur nächsten Online-Sitzung an der 6 weitere Personen hängen. Was mache ich?“ Ich schicke meinem Mann die Nachricht weiter, der gerade eine Präsentation hält und versuche dann meine größere Tochter zu erreichen, deren Handy auf lautlos ist. Dann rufe ich die Tanzlehrerin an. Sie bedauert den Vorfall sehr, erklärt mir alles und holt meine Kinder ans Telefon. „Kinder ihr fahrt jetzt sofort zu mir ins Büro.“ sage ich zu ihnen.

Meine Tochter fragt mich, ob sie überhaupt noch U-Bahn fahren dürfen. Ich denke nach … seit 2 Tagen sind sie mit dem Kind zusammen gewesen, die Inkubationszeit ist länger … „doch das geht.“ sage ich und wähle mich anschließend in die Telefonkonferenz ein.

Das Meeting beginne ich mit den Worten: „Es tut mir leid, wenn einen nicht ganz klaren Kopf habe, aber ich habe von 10 Minuten erfahren, dass meine beiden Töchter für 14 Tage in Quarantäne müssen und den Schulbeginn verpassen werden.“ Mitfühlendes Raunen in der Runde meiner Kundinnen… Während des Online-Meetings trudeln die Kinder ein. Sie verziehen sich ins Nebenzimmer. Anschließend besprechen wir die Lage. Die Kinder sind relativ gefasst, aber auch irgendwie gestresst. Ich merke, dass sich der Boden unter meinen Füßen ganz weich anfühlt und habe die leise Ahnung, dass wir noch nicht abschätzen können, was dieser positive Corona-Test der Mittänzerin bedeutet. Nach einem weiteren Meeting gehen wir vom Büro in unsere Wohnung. Ich beginne alle Termine, Arzttermine usw. der Kinder abzusagen. Die Woche ist voll davon, weil wir das immer gern vor Schulbeginn erledigen. Es besteht zwar noch ein leiser Hoffnungsschimmer, dass der Test des Mädchens Falsch-Positiv ist, aber wirklich glauben tu ich nicht daran. Die Kinder dürfen länger Tablet schauen als sonst.

Mir schießen viele Fragen durch den Kopf: „Werden wir auch in Quarantäne sein?“ Im Laufe des Nachmittags stellt sich heraus: „Nein, nur die Kinder, da SiE KONTAKTPERSON sind.“ „Muss ich Vorräte besorgen?“ „Nein, denn ich kann ja jederzeit Lebensmittel bestellen.“

Ich telefoniere mit meinen Eltern, gebe meiner Schwester und meiner besten Freundin bescheid. Ich rufe meinen Mann an und bitte ihn aus der Apotheke eine große Flasche Desinfektionsmittel mitzubringen. Am Abend halten wir den ersten Quarantäne-Familienrat ab. Jeder darf sagen wie er sich fühlt. Wie meistens beim Familienrat lachen wir viel miteinander und sind uns sicher, dass wir die Situation gut meistern werden. Wir entscheiden eine Matratze für unsere kleinere Tochter ins Wohnzimmer zu legen und ich schlafe dort mit ihr auf einer anderen, weil sie doch ziemlich aufgewühlt ist. Nachdem die Kinder schlafen gegangen sind, besprechen mein Mann und ich die kommenden Wochen. Üblicherweise übernehme ich in solchen Situationen die Kinderbetreuung, da meine Termine etwas flexibler sind. Dieses Mal (auch nachdem wir uns ausführlich und explosiv in den letzten Wochen mit dem Mental Load auseinandergesetzt haben) möchten wir es anders machen. Schichtdienst ist angesagt. Ich gehe Vormittag ins Büro bis ca. 12.00 – mein Mann ab Mittag bis Open End. So können wir beide in Ruhe unsere Sachen abarbeiten und hoffen dadurch ausgeglichener und entspannter zu sein.


Donnerstag. Ich wache (selbst für meine Verhältnisse) um 4.15 Uhr extrem früh auf und kann nicht mehr einschlafen. Still liege ich im selben Zimmer wie meine Tochter und schaue ihr beim Schlafen zu. „Die Nacht war ruhig – das ist gut“, denke ich mir. Nach ein wenig Instagram und ein paar Gedanken, die ich schnell in meinen Laptop tippe (ich schreibe alles digital) stehe ich auf, um ein wenig zu meditieren. „Es ist jetzt wichtig, dass ich besonders gut auf mich achte, damit ich für meine Familie da sein kann.“ habe ich gerade zuvor in mein Tagebuch geschrieben. Nach einem Blick in die Jubeltage-App halte ich mich an die Impulskarte des Tages und versuche die anschließende Dusche besonders achtsam zu genießen. Dabei merke ich, dass mein ganzer Körper an unterschiedlichsten Stellen schmerzt. „Anscheinend hat mich die Sache doch mehr aus der Bahn geworfen, als ich dachte.“ sage ich innerlich zu mir selbst.

Als um ca. 7.00 Uhr alle langsam aus den Betten krabbeln ist als allererstes und noch vor dem Frühstück Gurgeln angesagt. Wir möchten so früh wie möglich wissen, ob eines unserer Kinder oder wir selbst mit Corona infiziert sind. Einerseits, um dementsprechend agieren zu können und anderseits, weil mit einer Infektion sich die Quarantäne-Zeit noch einmal um 14 Tage verlängert und wir es deshalb so schnell wie möglich melden möchten. Also gurgelt die ganze Familie. Mit meiner jüngeren Tochter muss ich das Gurgeln zweimal machen, da sie beim ersten Mal nicht „ins Röhrl“ trifft und das Ganze in einer Überschwemmung ausartet. Also üben wir zuerst im „Trockentraining“ mit einem Strohhalm und Wasser … Beim 2. Versuch klappt es – ein kleiner JubelMoment – wir werden alle genügsam, merke ich. Ich desinfiziere meine Hände danach, in der Hoffnung mich nicht bei der Menge an Speichel, die da im Umlauf war, angesteckt zu haben.

Anschließend düse ich ins Büro … die Sanduhr meiner Arbeitszeit läuft. Mein Mann bringt inzwischen Tests weg und macht mit den Kindern eine kleine „Ferienhefte-Einheit“. Sie mögen diese Hefte zur Vorbereitung aufs nächste Schuljahr. Nach zwei längeren Online-Konferenzen, die wie im Fluge vergehen, klingelt mein Mann. Schichtwechsel ist angesagt. Wir wechseln kurz ein paar Worte, sprechen uns Mut zu und ich verlasse das Büro Richtung Wohnung. Zu Hause angekommen, haben die Mädels schon viel fürs Mittagessen vorbereitet. Ich bin stolz auf sie und dankbar, wie sie mit der Situation umgehen. Noch immer wissen wir nicht, ob sie tatsächlich in Quarantäne bleiben müssen bzw. ob sie vielleicht doch am Schulanfang dabei sein können. Den Nachmittag verbringen wir recht gemütlich. Ich recherchiere im Internet und versuche Infos rauszubekommen, leider ohne Erfolg. Zwischendurch führe ich ein paar Telefonate. Die Mädels haben in der Zwischenzeit die Scoubidou-Bänder ganzen unten aus dem Bastelschrank gekramt und knüpfen was das Zeug hält. Um 17.00 gibts eine Klavierstunde – unser Lehrer hat sich dankenswerter Weise kurzfristig bereit erklärt ,sie trotzdem, aber online abzuhalten. Wir gehen auf Nummer sicher. Zwischenzeitlich schwanke ich immer wieder hin und her, ob ich eigentlich das Richtige tue. Schließlich sind die Kinder ja offiziell noch gar nicht in Quarantäne. Das ist man erst, wenn man den „Absonderungsbescheid“ der Behörde erhält. Allerdings halten mein Mann und ich es freiwillig so, wie seit Beginn der Corona-Krise: Wir möchten keinesfalls fahrlässig sein und andere gefährden.

Unsere Kinder übrigens genau so. Als ich ihnen erkläre, dass sie offiziell erst in Quarantäne sind, wenn der Absonderungsbescheid vorliegt, sagen sie unabhängig voneinander so oder so ähnlich: „Ja, aber deshalb werden wir trotzdem niemanden treffen und auch nicht rausgehen. Wir möchten ja niemanden anstecken falls wir Corona haben.“

Ab 19.00 Uhr merken wir, es macht sich Unruhe breit. Die Testergebnisse sollten langsam kommen. Eigentlich noch viel zu früh schauen wir immer wieder ob es etwas Neues gibt. An diesem Tag erfahren wir um 21.30, 24.00 Uhr und 3.00 Uhr Früh, dass alle negativ sind. Das war zu erwarten, denn die Inkubationszeit dauert mind. 4 Tage und so lange ist der Erstkontakt noch nicht her.


Freitag. Ich schlafe gut und wache, wie gewohnt um 5.30 Uhr auf, meine Tochter schläft wieder auf der Matratze im selben Zimmer. Wieder ist Gurgeln angesagt. Heute bleibe ich zu Hause, denn mein Mann hat wichtige Termine, die er so schnell nicht verschieben konnte. Das ist ok, denn ich habe nur 2 Onlinekonferenzen, die nicht kritisch sind. Nach dem Frühstück der Kinder, ziehe ich mich an den provisorischen Schreibtisch zurück, den wir im Schlafzimmer eingerichtet haben. Die Zeit vergeht wieder wie im Flug, die Kinder beschäftigen sich mit Ferienheften, Zimmerräumen und Tablet und schon stellt sich wieder die Frage aller Fragen: „Was essen wir zu Mittag?“. Nach dem recht späten Essen schreibe ich eine Whats App an die Tanzlehrerin, ob sie schon etwas neues weiß und ob ich nochmal bei 1450 anrufen soll. Wir telefonieren kurz und ich erfahre, dass wir zwar noch immer nicht wissen, ob das Mädchen tatsächlich positiv ist, aber jetzt auch die Mutter einen positiven Covid-Test hätte und mit Fieber im Bett liegen würde. Mit dieser Info erlosch auch augenblicklich die Hoffnung auf den Falsch-positiven Test … Außerdem, erzählt sie mir, hätte ein Vater die Info in den Umlauf gebracht, dass die Kinder vielleicht doch am Montag in die Schule gehen könnten, weil sich die Quarantäne nur auf das Tanzen beziehen würde. Für mich nicht gerade nachvollziehbar, aber gut. Auf den Wunsch meiner Kinder und auch wegen meiner eigenen Unruhe rufe trotzdem bei 1450 an – wir brauchen endlich Klarheit, vor allem in Bezug auf die Schule am Montag. Ein netter Herr hebt ab, versucht meine Daten einzugeben, leider stürzt der Computer ab. Er entschuldigt sich und bittet mich nochmals anzurufen. Das tue ich und lande bei einem anderen netten Herren. Ich erkläre ihm die Situation und er meint: „Droht jemand zu ersticken?“ Ich antworte: „Nein, Moment, der Fall wurde schon am Montag gemeldet und hier ist niemand erkrankt.“ Er macht unbekümmert weiter: „Ist jemand bewusstlos?“ Ich erkläre ihm wieder: „Nein, es ist auch niemand positiv, wir möchten nur wissen ob wir in Quarantäne bleiben sollen.“ Er fragt weiter und meint dann: „Gut ich leite sie an unser medizinisches Fachpersonal weiter.“ Jetzt platzt mir der Kragen: „Bitte hören sie mir kurz zu! Es ist NIEMAND erkrankt – meine Kinder haben sich in Quarantäne begeben und ich möchte wissen ob sie das tatsächlich müssen oder ob sie am Montag in die Schule gehen können.“

Seine Antwort: „Sind die positiv getestet?“ Ich darauf: „NEIN!“ Er: „Na dann wird wohl nichts sein.“ Ich: „Ja, aber was sollen wir jetzt machen?“ Er: „Also das kann ich ihnen wirklich nicht sagen, da müssen Sie bei der AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) anrufen. Die können ihnen das vielleicht sagen.“

Ich lege verdutzt auf, frage mich, ob ich das gerade alles geträumt habe und erzähle es meinen Kindern und meinem Mann, der gerade nach Hause gekommen ist. Mittlerweile ist es 15.30 Uhr und ich rufe also bei der AGES an. Wieder ein netter Herr am Telefon erklärt mir dass ER da gar nichts sagen könnte. Ich sei da vollkommen an der falschen Stelle bei ihm und wenn jemand etwas wüsste, dann wäre das die Bezirkshauptmannschaft bzw. das Magistrat. Ich sage ihm: „Oh nein, Freitagnachmittag da wird vermutlich jetzt niemand mehr da sein, oder?“ Er darauf sarkastisch: „Da müssen Sie selbst die Öffnungszeiten googeln, aber ich denke mal schon, dass die wenn es um Corona geht länger als bis zum 14.30 Uhr im Büro bleiben müssen.“ 

„Na wunderbar.“ denke ich , bedanke mich und stürme ins Wohnzimmer. „Na, was sagt die AGES?“ sagt mein Mann. Ich erzähle ihm, dass die auch nichts wissen und … plötzlich bekomme ich eine Nachricht von der Tanzlehrerin: Liebe Eltern! Leider wissen wir noch immer nicht ob das Mädchen wirklich positiv auf Corona getestet ist, aber ich habe gerade die Info bekommen, dass alle 14 Tage in Quarantäne müssen. Das ist jetzt fix. Es tut mir leid, dass ich keine besseren Nachrichten habe. Der Mitarbeiter des Magistrats wird euch in Kürze anrufen, einige hat er schon verständigt.“ BÄM. Das sitzt. Also tatsächlich Quarantäne. Ich sage den Kindern noch nichts, sehe aber, dass mich während ich mit der AGES telefoniert habe, eine Wiener Nummer angerufen hat. Ich rufe zurück. Der nicht so nette Herr (mir fällt gerade auf, dass ich nur mit Herren telefoniert habe), erklärt mir,  dass die Kinder mit einem an Corona erkrankten Kind Kontakt hatten und sie deshalb für 14 Tage in Quarantäne müssen. Nach 10 Tagen ist frei-testen möglich. Er fragt die Sozialversicherungsnummern der Kinder ab. Mehr braucht er nicht. Damit ist das Telefonat beendet. Kurz drauf trudeln die E-Mails ein „Absonderungsbescheid für XX.“ Schon ein besonderes Gefühl das von seinen Kindern zu lesen. Ich atme tief ein und aus, lese die E-Malis durch, in denen nur sehr wenig steht – allerdings sind einige Anhänge mit Infos dabei. 

Absonderungsbescheid & Familienrat. Dann gehe ich ins Wohnzimmer und rufe wieder den Familienrat zusammen. „Kinder wir müssen etwas wichtiges besprechen.“ sage ich (wieder einmal). Mein Mann seufzt, die Kinder machen sich wohl oder übel auf den Weg zum Küchentisch. Ich erkläre ihnen die Situation: Keine Schule am Montag, Quarantäne mind. die nächsten 10 Tage. Meine kleinere Tochter brüllt: „Da mache ich nicht mit! Sicher nicht!“ Ich freue mich innerlich über ihren Protest. „Recht hat sie“, denke ich mir, „wer soll die Situation schon gut finden?“ Meine größere Tochter ist (wie gewohnt) sehr pragmatisch und regelorientiert: „Was wir dürfen und was nicht, hab ich schon im Internet recherchiert.“ Es rutscht mir ein „Na wunderbar“ heraus

„Sind die wahnsinnig?“ brüllt meine kleinere Tochter ins Gespräch „das können die doch nicht machen? Die können das doch nicht einfach bestimmen! Was passiert, wenn wir uns einfach nicht daran halten?“

Ich liebe es, wie unterschiedlich die beiden reagieren. Mein Mann und ich versuchen ihr ganz ruhig und liebevoll zu erklären, dass wir das nicht dürfen und dass es unsere Pflicht ist uns an diese Vorgaben zu halten. Das wir das auch machen, um andere Menschen zu schützen. „Ok, das macht Sinn.“ sagt sie und ich spüre, wie sie sich langsam mit der Situation abfindet. Zumindest für den Moment. 

Der Familienrat wird länger als gedacht und wir lachen viel. So viel, dass wir uns zwischendurch sogar fragen, ob wir nicht mehr Abstand halten sollten. Wir besprechen aber auch, dass wir jeden Tag am Abend darauf schauen, die Wohnung auf Vordermann zu bringen, falls jemand von uns 4en krank wird, dass wir zumindest nicht im Chaos sind. Ich werfe gleich mal eine Maschine Wäsche hinein. 

An diesem Abend sind alle sehr aufgeregt und können nur sehr schwer einschlafen. Bei unserer Kleinsten schaffe ich es mit 5x „Es war ein Mal ein Igel.“ Ein Lied, dass ich ihr zum letzten Mal vorgesungen habe, als sie 4 Jahre alt war. Sie hat es geliebt. Zum Glück ist mir das heute wieder eingefallen.


Samstag. Unser 17. Hochzeitstag … fast hätten wir in dem ganzen Trubel vollkommen darauf vergessen. Ich habe es gestern erst sehr spät geschafft einzuschlafen. Irgendwie war ich um 19.30 vollkommen gerädert und total müde und hab dann den richtigen Zeitpunkt übersehen. Das passiert mir äußerst selten. Als ich um 6.30 Uhr wach werde, hab ich das Gefühl ein Bus hätte mich überfahren. Ich schreibe meinem Mann eine Whats App Nachricht der im Wohnzimmer mit unserer kleinen Tochter liegt: „Bin spät eingeschlafen, versuche jetzt noch weiterzuschlafen … bitte weckt mich nicht auf.“ So zumindest der Plan. Auch nach Atemübungen, Bodyscan & Co keine Chance wieder einzuschlafen. Na gut, stehe ich also auf. Mein Mann schaut ganz verdutzt: „Na, doch schon auf?“ Irgendwie haben alle keinen Frühstückshunger, also schlüpfe ich in was Bequemes, mit dem ich aber vor die Türe gehen kann und mache mich (wie mit meinem Mann vereinbart) auf den Weg ins Büro. Meine Beine fühlen sich richtig müde und schwer an, aber „Billy Jean“ von Michael Jackson lässt mich beschwingt den kurzen Weg zum Büro wandern. Dort angekommen, beantworte ich ein paar Fragen, die mir meine Followerinnen auf Instagram gestellt haben. „Seid ihr geimpft?“ Ist eine der Meistgestellen. Ja, wir sind geimpft. Aber auch sonst gibt es einiges zu berichten. Um 8.30 Uhr lege ich los um bis ca. 12.15 Uhr so viel wie möglich zu verschieben, zu planen und abzuarbeiten. So sollte die nächste Woche etwas entspannter werden. Positiv gestimmt, verlasse ich um 12.15 Uhr das Büro um zu Hause zu übernehmen. Mein Mann braucht „Auslauf“ und das Mittagessen steht an. Einen Teil hat er schon vorbereitet, einen Teil übernehme ich. Die Kinder bauen einstweilen an ihrer Kugelbahn – eine geniale Idee, die mein Mann hatte. Er hat geistesgegenwärtig so ein GraviTrax-Set am Donnerstag bestellt. Eine tolle Sache, die Kinder können hier so richtig hineinfallen und 2 Stunden sind weg wie nichts. Genau das was wir brauchen.

Nach dem Mittagessen ziehen sich die Kinder in ihr Zimmer zurück und ich drehe „Rise Like a Phoenix“ auf und singe mir alles Von der Seele. Danke Conchita, das hat wirklich gut getan. Anschließend spüre ich, wie mich die Müdigkeit überrollt.

„Kinder ich muss mich hinlegen. Bitte versucht mich kurz schlafen zu lassen.“ Die Kinder beschäftigen sich einstweilen mit Tablet, Kugelbahn, Ferienheften & Co. Als ich wach werde, ist es 17.00 Uhr – ich habe gar nicht bemerkt, wie mein Mann wieder nach Hause gekommen ist. Wir räumen ein bißchen herum, die Stimmung scheint gut, bis unsere kleine Tochter plötzlich wegen einer vermeintlichen Kleinigkeit komplett wütend und ausfallend wird. Wir fragen sie was los ist und plötzlich bricht sie in Tränen aus: „Ich möchte nicht in Quarantäne sein – das ist Scheisse! Ich darf hier nicht raus – ich fühle mich wie in einem Gefängnis! Alle gehen am Montag in die Schule nur ich nicht! Und alles nur wegen diesem Scheiss-Corona-Virus. Mich regt das soooo auf!!!!!“ Wir versuchen sie mit viel Liebe und Verständnis zu begleiten. Innerlich zieht es mir alles zusammen. Sie hat vollkommen recht! Es ist besch… und obwohl wir eine wirklich privilegierte Ausgangslage haben, es uns allen gut geht, wir eine schöne Wohnung haben wo wir sein können, verstehe ich sie. Ich verstehe sie aus ganzem Herzen. Ich überlege was ich machen könnte, um es ihr ein bißchen zu erleichtern. 

Ich schnappe den Wohnungsschlüssel und sag zu meiner Tochter: „Weißt du was, wir gehen jetzt für 5 Minuten auf die Gemeinschaftsterrasse und beobachten die Sterne, was sagst du?“ Ich sehe die bloße Verwunderung in ihrem Gesicht: „Ganz echt???“ Wir ziehen uns Schuhe an – das hat sie schon seit 4 Tagen nicht mehr gemacht und gehen die 5 Stufen hinauf zur Gemeinschaftsterrasse. Als wir oben die Lichter der umliegenden Gebäude zählen, merke ich, wie sie wieder durchatmen kann. „Danke, Mama!“ es geht mir schon viel besser. Mir ehrlich gesagt auch, auch wenn ich noch immer einen flauen Magen habe. Ihre Verzweiflung hat mich wirklich mitgenommen. 

Wieder in der Wohnung angekommen, erwartet uns der nächste Quarantäne-Koller: Meine größere Tochter findet es unverantwortlich, dass ich die Wohnung mit der kleineren verlassen habe. Eine hitzige Diskussion bricht aus. Und das um 20.45 Uhr am Abend. Wir argumentieren, diskutieren, bis wir schließlich erschöpft alle beschließen einfach ins Bett zu gehen. „Ich hab Angst, dass meine Freunde sich denken ich hätte mir die Quarantäne nur ausgedacht und dass ich keinen Bock auf die Schule habe.“ sagt meine kleine Tochter als ich sie kurz vor dem Einschlafen ist. „Ich hab den Absonderungsbescheid an die Direktion geschickt und der Mama deiner besten Freundin ganz genau erklärt, dass wir daheim blieben müssen, mein Schatz.“ sage ich schaftrunken. Damit ist sie beruhigt. 

An diesem Samstagabend schlafen alle um ca. 22.30 Uhr. An Hochzeitstags-Rituale oder dergleichen ist nicht zu denken, auch auf ein Gläschen Sekt hat keiner von uns Bock. Einfach Ruhe, Frieden. 

TO BE CONTINUED …

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