Mut gehört zu jenen Fähigkeiten, die wir oft erst dann entdecken, wenn das Leben uns prüft. Wenn etwas Neues ansteht, Unbekanntes, vielleicht sogar Beängstigendes. Viele Menschen denken, Mut bedeute, keine Angst zu haben. Doch in Wahrheit geht es darum, trotz der Angst weiterzugehen – Schritt für Schritt, mit weichen Knien und pochendem Herzen.
Mut bedeutet, Dein Leben wieder spüren zu wollen, auch wenn es wackelt. genau darin liegt seine unermessliche Kraft.
Auf einen Blick
- Mut ist ein Muskel, den wir trainieren können.
- Angst gehört zum Mut dazu
- Kleine mutige Schritte schaffen Vertrauen und Selbstwirksamkeit.
- Wenn du deine Angst wahrnimmst, kannst du sie verwendeln
- Mut öffnet Türen zu Momenten, die dein Leben verändern.
Ein Unternehmen gründen, ein Baby bekommen, einen Vortrag vor einem Publikum halten, den Job kündigen und einen neuen annehmen, ins Ausland gehen … es gibt sie die großen Momente in unserem Leben, in denen wir ganz viel Mut brauchen. In manchen Lebensphasen braucht es aber auch unfassbar viel Mut, für ganz alltägliche Dinge, wie z.B. Einkaufen zu gehen, das Haus zu verlassen, jemanden anzurufen, ein Konzert mit vielen Menschen zu besuchen. Ob wir gewohnte Pfade verlassen oder Herausforderungen meistern, die uns Respekt, ja vielleicht sogar Angst einflößen, beides kostet uns viel Überwindung. Was aber, wenn wir gar nicht warten, bis wir weniger Angst haben, sondern trotzdem loslegen?
Ich bin eine Angsthäsin, schon seit meiner Kindheit
Auch wenn es viele Menschen, die mich kennen, nicht glauben würden: Ich bin eine richtige Angsthäsin. Gruselige Filme zum Beispiel, habe ich schon im zarten Alter von 20 für mich ad acta gelegt, als mich nach einem Streifen mit Harrison Ford & Michelle Pfeiffer, die Frau oder besser gesagt ihr Geist aus der Badewanne tagelang in meiner Wohnung verfolgt hat. Ich dürfte ein ganz spezielles Verhältnis zu Sanitäranlagen haben, fällt mir gerade auf, denn eine Akte-X-Folge ließ mich einige Tage nur unter Panik die Toilette benutzen …
Ohne meine Familie verreisen, in einem Flugzeug sitzen, lange Strecken alleine mit dem Auto zurücklegen, auf einem hohen Gebäude stehen, eine enge Wendeltreppe betreten … Diese Liste könnte ich unaufhörlich fortsetzen. Es gab sogar eine Zeit, es ist ungefähr 7 Jahre her, in der meine Ängste das Regiment in meinem Leben übernommen haben. Damals sind mir sogar ganz alltägliche Sachen, wie mit der U-Bahn zu fahren, richtig schwergefallen. In meinem Burnout wurden sie regelrecht übermächtig. Ich konnte teilweise nicht mal das Haus verlassen. Und auch wenn ich ganz genau wusste, dass die Angst nicht rational begründbar war, hat mir das gar nicht geholfen. Durch meine robuste Statur, mein lautes Organ und meine selbstbewusste Art, würden die Wenigsten vermuten, dass mir viele Dinge so richtig das Fürchten lehren. Eines ist klar: Hätte ich die Angst mein Leben bestimmen lassen, wäre mein Leben heute ein anderes und viele schöne Momente wären ausgeblieben.
Die Angst ist perfide – sie wird mehr, wenn wir unseren Mutmuskel nicht benutzen
Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass wir Mut trainieren können, vor allem dadurch, indem wir die Angst als etwas annehmen, das zum Mutigsein dazugehört. Vor vielen Jahren habe ich einen Auftrag angenommen, die PR-Veranstaltung für einen Kunden zu planen und durchzuführen. Nachdem ich jahrelang im Kongress- und Veranstaltungsmanagement tätig war, keine große Herausforderung, aber eine, die mir richtig Spaß machte. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich offenbarte, dass die Location der 57. Stock des DC Towers (des höchsten Gebäudes Österreichs) sein würde. Zweihundert Meter über dem sicheren Boden sollte ich (die mit der Höhenangst) ein Event organisieren. Ich ertappte mich dabei, wichtige Telefonate zu vertagen, die Unterlagen des Auftrags ganz nach unten in meinen Stapel am Schreibtisch zu schieben. Sicherlich 2–3 Wochen lang konnte ich mir nicht eingestehen, dass mich die Angst fest im Griff hatte. Ich wollte mich dem mulmigen Gefühl, das immer dann aufkam, wenn ich an den Auftrag dachte, einfach nicht stellen. Ab dem Zeitpunkt, als ich das erkannte, begann der erste Schritt in die richtige Richtung. Mir hilft in so einer Situation immer zu schreiben, ich glaube, jede/jeder hat da eine andere Art, sich ihrer/seiner Gefühle bewusst zu werden.
Das Schreiben half mir, Klarheit zu finden und zu erkennen: „Ja, ich habe eine Sch…angst.“ Erst dann konnte ich bewusst mit ihr umgehen.
Ich musste eine Entscheidung treffen: Stelle ich mich meiner Angst oder lasse ich sie mich bestimmen?
Gut, die Angst war da, der Auftrag auch. Also begann ein Hin und Her, das mich wirklich sehr viel Energie und Nerven gekostet hat. Soll ich oder soll ich nicht? Irgendwie hat es mich schon sehr gereizt, meiner Höhenangst ein Schnippchen zu schlagen und den Auftrag zu erfüllen. Andererseits gab es da eine Stimme, die mir einflüsterte, dass ich auch scheitern könnte. Im Nachhinein und aus der Erfahrung vieler solcher Situationen ist mir klar, dass ich diese anstrengende Phase abkürzen kann. Wie? Indem ich ganz bewusst eine Entscheidung treffe. Mache ich es oder mach ich es nicht? Die Entscheidung hinauszuzögern fühlt sich im ersten Moment besser an, hilft aber überhaupt nicht. Null. Im Gegenteil, die Verwirrung wird noch größer. Also: Ran ans Werk, habe ich (wieder mal) aufgeschrieben, welche Vor- und Nachteile es hätte, den Auftrag abzusagen. Die Gründe waren eigentlich vollkommen irrelevant, der Auftrag bedeutete mir viel, und ich habe mich dazu entschieden, ihn zu behalten und mutig zu werden. Dann war eine Zeit lang Ruhe – wie angenehm. Ich habe organisiert, mich vorbereitet und einfach meinen Job gemacht.
„Was, wenn …“ umprogrammieren.
Bis ungefähr zwei Wochen vor dem Event. Mein Monkey Mind lief zur Höchstform auf. Ich nenne das auch die „Was, wenn …“-Phase:
- „Was, wenn ich es am Tag des Events nicht schaffe, in den Lift einzusteigen und in den 57. Stock zu fahren?“
- „Was, wenn ich vor lauter Aufregung ständig auf die Toilette rennen muss?“
- „Was, wenn ich in Tränen ausbreche, weil ich es mit der Angst zu tun bekomme?“
- „Was, wenn mir oben schwindelig wird und ich mich nicht auf meinen Job konzentrieren kann?“
Ja, so ging es den ganzen Tag. Natürlich war ich zuvor schon einmal mit dem Lift in den 57. Stock gefahren und hatte es überlebt. Ich sollte als Überflieger in schwindelnden Höhen arbeiten, doch mein Selbstbewusstsein war zu diesem Zeitpunkt im Keller. Ich war verzweifelt. In einem Buch wurde ich fündig. Dort wurde mein damaliger Zustand genau beschrieben und eine Lösung präsentiert. Meine Aufgabe war es, alle „Was, wenn …“-Sätze umzuprogrammieren. Das funktionierte einfacher als gedacht – bis heute. Jedes Mal, wenn ein „Was, wenn …“ in meinem Kopf auftaucht, wird es postwendend ins Positive umformuliert.
Umprogrammieren funktioniert folgendermaßen:
- „Was, wenn ich es nicht schaffe, in den Lift einzusteigen und in den 57. Stock zu fahren?“ wird umprogrammiert zu
- „Was, wenn ich mit Leichtigkeit in den Lift einsteige und die Fahrt in den 57. Stock genieße?“
- „Was, wenn ich in Tränen ausbreche, weil ich es mit der Angst zu tun bekomme?“ wird zu
- „Was, wenn ich mit einem Cocktail in der Hand die glitzernden Häuser von oben beobachte und mich fantastisch fühle?“
Wenn du gerade mit großen Ängsten zu kämpfen hast und sie dich fest im Griff haben, wird dir dieses einfache „umprogrammieren“ der Sätze vielleicht total lächerlich vorkommen. Ich weiß, wie unglaublich übermächtig die Angst sein kann, so dass wir uns gar nicht mehr daran erinnern können, wie viel Mut und Kraft in uns steckt. Ja, auch in dir!
Mut entsteht im Tun – wenn du deinem Körper zeigst, dass du sicher bist
Dich im Kopf umzuprogrammieren und deine „Was … wenn …“ Gedanken zu verändern ist die eine Sache. Dieses Training ist schon sehr hilfreich. Mut entsteht aber leider nicht ausschließlich im Kopf, sondern dadurch, dass du Dinge tust, vor denen du Angst hast. Tja, und was soll ich sagen … Genau so war es bei auch. Ich bin an diesem Tag vermutlich zehn Mal mit dem Lift auf- und abgefahren. Hatte ich ein mulmiges Gefühl und hat mein Herz bis zum Hals geklopft? Ja! Jedes Mal. Aber ich habs geschafft und konnte dann sogar den Abend genießen. Zuvor hatte ich mich gut darauf vorbereitet, ich habe den Tag sehr langsam angehen lassen und mich gut um mich gekümmert. Einfach auch, um nicht abgehetzt dort anzukommen, denn es war mir bewusst, dass ich mich einer Herausforderung stelle. Klar ist: Wenn ich gewartet hätte, dass meine Angst verfliegt, hätte ich den Job niemals machen können. Darauf zu warten ist sinnlos, weil es einfach nicht passiert. Ich wollte diese Chance nicht vorbeiziehen lassen, ich wollte einfach nicht darauf verzichten.
„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist.“
— Eleanor Roosevelt
Wenn dich deine Ängste gerade sehr beschäftigen, dann lass dir sagen: Es kommen wieder andere Zeit. Du kannst dich wieder frei(er) fühlen. Dafür ist es wichtig, dass du den ersten, klitzekleinen Schritt machst. Und wenn es nur der Schritt ist, dir Hilfe zu holen.
Dein Jubeltage Impuls
Mut entsteht nicht im Kopf, sondern im Tun. In der Jubeltage App findest du kleine Impulskarten und Sprachnachrichten, die dich ermutigen, einen Schritt weiterzugehen – auch wenn du dich unsicher fühlst.



