Achtsamkeit Ausgabe Frühling/Sommer 2020 JubelMoments MAGAZIN

Not instagram worthy – Die Liebe zu den unperfekten Dingen

Hand aufs Herz, wie oft ertappen wir uns bei dem Wunsch nach einer Auszeit von dem alltäglichen Chaos, den herumliegenden (Spiel-)Sachen, den Wäschebergen und dem sich stapelnden Geschirr? Einfach mal kurz wegbeamen in ein „Pinterest-Haus“ – superstylisch, aufgeräumt und blitzeblank – das wär´s! In Zeiten von Airbnb™ wird das sogar möglich, denn wir können uns im Urlaub ein anderes Zuhause, ja beinahe ein anderes Leben auf Zeit ausleihen und dabei erstaunlicherweise erkennen, dass unser eigenes, unperfektes einfach nur wunderschön ist.

Wenn wir unser Leben betrachten, sehen wir viele unvollkommene Dinge. Wir selbst sind nicht fehlerfrei, wären gerne straffer, sportlicher, erfolgreicher. In unseren Beziehungen läuft nicht immer alles glatt, wir streiten, missverstehen uns, verletzen einander. Pläne die wir gemacht haben, entwickeln sich ganz anders als wir es uns wünschen und bringen unser Selbstvertrauen ins Wanken. Wenn wir einen Blick in die Social Media Apps unserer Smartphones werfen, scheint es allerdings überall anders nicht so zu sein.


Im direkten Foto-Vergleich auf Instagram & Pinterest scheinen andere Frauen und Mütter ganz klar vorne zu liegen. Sie haben die glücklicheren Kinder (die immer toll und fleckenfrei angezogen lächeln), die erfolgreicheren Karrieren (selbstverständlich mühelos), das gestyltere Eigenheim (allzeit insta worthy und für einen „spontanen“ Schnappschuss bereit) … Wie ein Pinterest-Haus, das wir uns für kurze Zeit auf einer Reise gönnen, sehen wir auch auf Social Media nicht die Realität, sondern nur einen klitzekleinen (bildbearbeiteten) Ausschnitt. Wir wissen das. Umso faszinierender ist es, dass diese Wahrheit im Alltag trotzdem immer wieder in Vergessenheit gerät.


Der eigentliche Grund warum wir Social Media nutzen – und toll finden – ist, dass wir Inspirationen und Ideen erhalten, unsere Kreativität beflügelt wird und wir durch den Austausch mit anderen wertvolle, neue Perspektiven erkennen können. Es ist ein unglaublicher Segen, dass wir uns nicht die Köpfe zerbrechen müssen, wie denn wohl die Geburtstagseinladung im „Meerjungfrauen-Shape“ aussehen könnte, weil es auf einen Klick unzählige perfekte Beispiele gibt. Das spart Zeit. Enorm. Allerdings bekommen wir nicht nur eine Fülle von Ideen geliefert, sondern ganz nebenbei auch eine unangenehme Art von Druck.

„Ausgeglichene, entspannte Mütter haben vielleicht schmutzige Fenster, einen überfüllten E-Mail-Posteingang, Unkraut im Garten, unlackierte Nägel, sich türmende Wäscheberge, aber sind genauso glücklich wie ihre Kinder.“

Selbst wenn wir kein kompetitiver Charakter sind, fragen wir uns: „Muss unser Kindergeburtstag jetzt auch so fancy werden wie auf den Fotos? Sollten, die in Tierform ausgestochenen, Pausensnacks nicht auch täglich am Speiseplan meiner Kinder stehen? Ist meine Einrichtung trendig genug? Warum bekomme ich es nicht hin meine Smoothie-Bowl so kunstvoll zu dekorieren wie auf den Fotos der Influencerin? Wieso sehen mein Garten oder meine Terrasse aus wie ein Schlachtfeld und nicht wie die Greenhouse-Inspiration auf dem Pinterest-Pin?“


Was so ganz schnell passiert ist, dass sich unser Blick auf das fokussiert was wir nicht haben, das was vermeintlich so erstrebenswert, aber so unerreichbar scheint. Wir fühlen uns im Mangel, wir sehnen uns nach der Perfektion die wir gefühlt überall präsentiert bekommen. Ein Realitätscheck kann unsere Perspektive wieder geraderücken und uns unglaublich guttun.

„Würden wir mit einem Hollywood Star tauschen wollen? Ja, vielleicht für einen Abend am roten Teppich. Aber spätestens am nächsten Morgen, wenn wir beim Wocheneinkauf von Fotografen belagert würden und unsere Privatsphäre gefährdet wäre, nicht mehr.“

Bei unserem Urlaub im „Pinterest-Greenhouse“ wird klar, dass wir diese Inspiration auf Zeit lieben, aber eigentlich im Alltag gar nicht haben möchten. Hier wollen wir die Kinder ohne Sorge über umgeworfene Blumentöpfe spielen lassen. Vielleicht lassen wir die Terrassenpflanzen dahinvegetieren, weil wir einen dringenden Abgabetermin haben, bekommen dadurch aber ein paar Stunden mehr Schlaf, was uns ausgeglichener macht. Das Playmobil-Land im Miniaturformat in der Wohnküche ist zwar alles andere als pinterest-like, macht es uns aber möglich beim Kochen mit unseren Kindern zu quatschen. Wir möchten uns ohne Gedanken über Fettflecken mit der ganzen Familie und einer Schüssel Popcorn auf die Couch kuscheln und einen Film schauen. Wie wäre es also mit einer ausgewogenen Balance? Gönnen wir uns zwischendurch gerne einen Ausflug in die Perfektion – das tut uns gut und führt uns vor Augen, dass in unserem unperfekten Alltags-Chaos genau die wertvollen JubelMomente versteckt sind die wir so sehr lieben.

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LESEMODUS VOLLBILD

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