Achtsamkeit

Mut ist ein Muskel – Warum wir für viele JubelMomente ein Training brauchen

Ein Unternehmen gründen, ein Baby bekommen, den Mann unserer Träume heiraten, einen grandiosen Vortrag vor einem Publikum halten, den Job kündigen und einen neuen annehmen, ins Ausland gehen … Für JubelMomente die unser Leben besonders machen, braucht es ganz oft zu allererst eine große Portion Mut. Mut, gewohnte Pfade zu verlassen, ins kalte Wasser zu springen und Dinge zu tun, die wir noch nie zuvor gemacht haben. Herausforderungen zu meistern, die uns Respekt, ja vielleicht sogar Angst einflößen. Was aber, wenn wir gar nicht warten bis wir uns weniger fürchten, sondern einfach loslegen?

„Die schönsten JubelMomente im Leben sind die, in denen dein Herz vor Freude und nicht aus Gewohnheit schlägt.“

Auch wenn es viele Menschen, die mich kennen, nicht glauben würden: Ich bin ein richtiger Angsthase. Gruselige Filme zum Beispiel, habe ich schon im zarten Alter von 20 für mich ad acta gelegt, als mich nach einem Streifen mit Harrison Ford & Michelle Pfeiffer, die Frau oder besser gesagt ihr Geist aus der Badewanne tagelang in meiner Wohnung verfolgt hat. Ich dürfte ein ganz spezielles Verhältnis zu Sanitäranlagen haben, fällt mir gerade auf, denn eine Akte X-Folge, ließ mich einige Tage nur unter Panik die Toilette benutzen …

Ohne meine Familie verreisen, in einem Flugzeug sitzen, lange Strecken alleine mit dem Auto zurücklegen, auf einem hohen Gebäude stehen, eine enge Wendeltreppe betreten … Diese Liste könnte ich unaufhörlich fortsetzen. Es gab sogar eine Zeit, es ist ungefähr 7 Jahre her, in der meine Ängste das Regiment in meinem Leben übernommen haben. Damals sind mir sogar ganz alltägliche Sachen, wie mit der U-Bahn zu fahren, richtig schwergefallen. Durch meine robuste Statur, mein lautes Organ und meine selbstbewusste Art, würden die Wenigsten vermuten, dass mir viele Dinge so richtig das Fürchten lehren. Eines ist klar: Hätte ich die Angst mein Leben bestimmen lassen, wären viele wundervolle und beeindruckende JubelMomente ausgeblieben. Gerade ist ein Buch mit dem Titel „Mutmuskeltraining“ von Tanja Peters erschienen. Als ich den Titel gelesen habe, dachte ich mir sofort: „Ja, da ist ganz viel Wahres dran“. Ich glaube fest daran, dass wir Mut trainieren können, vor allem dadurch, indem wir die Angst als etwas annehmen, das zum Mutig sein gehört.

Die Angst bewusst wahrnehmen.

2016 habe ich einen Auftrag angenommen die PR-Veranstaltung für einen Kunden zu planen und durchzuführen. Nachdem ich jahrelang im Kongress- und Veranstaltungsmanagement tätig war, keine große Herausforderung, aber eine die mir richtig Spaß machte. Bis zu dem Zeitpunkt als sich offenbarte, dass die Location der 57. Stock des DC Towers (des höchsten Gebäude Österreichs) sein würde. Zweihundert Meter über dem sicheren Boden sollte ich (die mit der Höhenangst) ein Event organisieren. Ich ertappte mich dabei wichtige Telefonate zu vertagen, die Unterlagen des Auftrags ganz nach unten in meinen Stapel am Schreibtisch zu schieben. Sicherlich 2-3 Wochen lang konnte ich mir nicht eingestehen, dass mich die Angst fest im Griff hatte. Ich wollte mich dem mulmigen Gefühl, das immer dann aufkam, wenn ich an den Auftrag dachte, einfach nicht stellen. Ab dem Zeitpunkt als ich das erkannte, begann der erste Schritt in die richtige Richtung. Mir hilft in so einer Situation immer zu schreiben, ich glaube jede/jeder hat da eine andere Art sich ihrer/seiner Gefühle bewusst zu werden. Das Schreiben hilft mir Klarheit zu finden und zu erkennen: „Ja, ich habe eine Sch…angst“ erst dann kann ich bewusst mit ihr umgehen.

Eine Entscheidung treffen.

Gut, die Angst war da, der Auftrag auch. Also begann ein Hin- und Her, das mich wirklich sehr viel Energie und Nerven gekostet hat. Soll ich oder soll ich nicht? Irgendwie hat es mich schon sehr gereizt meiner Höhenangst ein Schnippchen zu schlagen und den Auftrag zu erfüllen. Andererseits gab es da eine Stimme die mir einflüsterte, dass ich auch scheitern könnte. Im Nachhinein und aus der Erfahrung vieler solcher Situationen ist mir klar, dass ich diese anstrengende Phase abkürzen kann. Wie? Indem ich ganz bewusst eine Entscheidung treffe. Mache ich es oder mach ich es nicht. Die Entscheidung hinauszuzögern fühlt sich im ersten Moment besser an, hilft aber überhaupt nicht. Null. Im Gegenteil, die Verwirrung wird noch größer. Also: Ran ans Werk, habe ich (wieder mal) aufgeschrieben, welche Vor- und Nachteile es hätte den Auftrag abzusagen. Die Gründe waren eigentlich vollkommen irrelevant, der Auftrag bedeutete mir viel und ich habe mich dazu entschieden ihn zu behalten und mutig zu werden.

„Was, wenn …“ umprogrammieren.

Dann war eine Zeit lang Ruhe – wie angenehm. Ich habe organisiert, mich vorbereitet und einfach meinen Job gemacht. Bis ungefähr 2 Wochen vor dem Event. Mein Monkey Mind lief zur Höchstform auf. Ich nenne das auch die „Was, wenn …-Phase“. „Was, wenn ich es am Tag des Events nicht schaffe in den Lift einzusteigen und in den 57. Stock zu fahren?“ „Was, wenn ich vor lauter Aufregung ständig auf die Toilette rennen muss?“ „Was, wenn ich in Tränen ausbreche, weil ich es mit der Angst zu tun bekomme?“ „Was, wenn mir oben schwindelig wird und ich mich nicht auf meinen Job konzentrieren kann?“ Ja, so ging es den ganzen Tag. Natürlich war ich zuvor schon einmal mit dem Lift in den 57. Stock gefahren und hatte es überlebt. Ich sollte als Überflieger in schwindelnden Höhen arbeiten doch mein Selbstbewusstsein war zu diesem Zeitpunkt im Keller. Ich war verzweifelt. In einem Buch wurde ich fündig. Dort wurde mein damaliger Zustand genau beschrieben und eine Lösung präsentiert. Meine Aufgabe war es, alle „was, wenn …“ Sätze umzuprogrammieren. Das funktionierte einfacher als gedacht, bis heute. Jedes Mal, wenn ein „Was, wenn …“ in meinem Kopf auftaucht, wird es postwendend ins Positive umformuliert. Das funktioniert folgender Maßen: „Was, wenn ich es nicht schaffe in den Lift einzusteigen und in den 57. Stock zu fahren?“ wird umprogrammiert zu „Was, wenn ich mit Leichtigkeit in den Lift einsteige und die Fahrt in den 57. Stock genieße?“ „Was, wenn ich in Tränen ausbreche, weil ich es mit der Angst zu tun bekomme?“ wird zu „Was, wenn ich mit einem Cocktail in der Hand die glitzernden Häuser von oben beobachte und mich fantastisch fühle?“

Ein unvergesslicher JubelMoment.

Tja, und was soll ich sagen … Genau so war es auch. Ich bin an diesem Tag vermutlich 10 Mal mit dem Lift auf- und abgedüst und hab den Abend wirklich sehr genossen. Zuvor habe ich mich gut darauf vorbereitet, ich habe den Tag sehr langsam angehen lassen und mich gut um mich gekümmert. Einfach auch, um nicht abgehetzt dort anzukommen, denn es war mir bewusst, dass ich mich einer Herausforderung stelle. Klar ist, wenn ich gewartet hätte, dass meine Angst verfliegt, hätte ich den Job niemals machen können. Darauf zu warten ist sinnlos, weil es einfach nicht passiert. Ich wollte diesen JubelMoment nicht vorbeiziehen lassen, ich wollte einfach nicht darauf verzichten. Und es war nicht das letzte Mal, dass ich um einen JubelMoment zu genießen, meinen Mutmuskel trainiere.

„Mut ist nicht die Abwesenheit von Angst, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist.“ Eleanor Roosevelt

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