Jubeltage
Achtsamkeit Audio-Artikel Bewusst & Sein

„Na Geh!(schenk)“ – Die Gabe zum Zurückgeben

Zu Beginn ist es mir ein Anliegen, hier, an dieser Stelle, festzuhalten, dass mir dieses Jahr absolut gar nicht zum Schenken zumute ist. Es ist ja nicht so, dass meine Gedanken sich derzeit um Schleifchen, kunterbuntes Packpapier und Keksebacken kreisen… Viel mehr möchte ich mich seit Tagen ins Bett zurückziehen, weinen und schreien, um mich wüten und nach oben lauthals fragen: „Warum?!“ Ob das nun der Herbstblues ist oder das Jahr 2020 per se, mit all seinen ganz eigenen, ungebetenen Ge(h)schenken?

Da wäre doch mal das gute alte Corona, unser ständiger Begleiter, Verursacher all der Diskussionen um ein „Tuchele“ (meine Südtiroler-Sprachkunst) vor dem Mund, ob es uns nun schützt oder unserer Freiheit beraubt. Einer unvorstellbaren, nicht im Verstand, noch weniger im Herzen, erfassbaren Gräueltat in der Wiener Innenstadt, die uns allen Sicherheit und einigen gar das Leben raubte. Einem leicht (Ironie off) narzisstisch-angehauchten, nordamerikanischen Machtinhaber, der am Ende seiner Tage jegliche Vernunft und Respekt (Ironie off numero zwei) ganz offiziell von sich rüttelt und schüttelt…

Ich glaub, es ist wohl leider nicht der Blues…

Aber dann kam die Frage aller Fragen, aus dem Munde meiner Tochter:

„Soll ich dem Christkind doch einen Brief schreiben?“

Und da war sie: Die dezemberliche Magie, die auch mich zu inhalieren begann, um mich davon zu überzeugen, dass in all meiner Trauer und Wut, all meinem Unverständnis und dem Hin und Her zwischen #schleichdioaschloch und dem herzzerreißenden Brief einer trauernden Schwester…, trotz all dem nicht das Schöne vergessen werden darf. Ich ohne Angst und Unsicherheit durch die Stadt laufen darf, um meinen Kindern zu zeigen, niemand, absolut NIEMAND darf ihnen den Christkindlbrief, den Weihnachtsmann, irgendwelche grünen Wichtel, den Baum und die Geschenke nehmen. Diese Macht darf keiner innehaben. Die Macht, den Zauber der kommenden Zeit, aber auch des Lebens an sich, zu rauben.

„Soll ich dem Christkind doch einen Brief schreiben?“

Also setzte ich mich hin und fragte mich nun, was sind wirklich sinnvolle Geschenke? Was tut in einem solchen Jahr Menschen gut? Was zaubert ihnen trotz allem ein Lächeln ins Gesicht und nimmt ihnen ein kleines bisschen an ihrer Last anno 2020 ab? Und weil dies nicht immer ganz so einfach ist, dachte ich, was macht denn NICHT glücklich? Was zaubert denn eher einen Schweißausbruch oder ein Augenrollen ins Gesicht? Ein „sich Zeit nehmen müssen, um es zurückzugeben“ oder ein „Na toll, an wen soll ich das denn weiterschenken?“

Also habe ich mal recherchiert und meine Favoriten der „Na Geh!-schenke rausgesucht!

  1. Gutscheine. An und für sich nichts Schlechtes dabei. Aaaaaber mein Szenario: Ich öffne aufgeregt mein Paket – und finde: Eine Karte. Mit den groooooßen Buchstaben G U T S C H E I N. Einst, vor vielen Jahren schenkte mein Mann mir einen Thermengutschein. So lieb, sein Plan. Einen Nachmittag ganz für mich, in dampfendem Bad, wohlwollendem Schweiß auf der Stirn, leiser meditativer Musik im Ohre, friedvoll schweifender Gedanken. Was soll ich sagen: Der Gutschein liegt im Fotoalbum. Als Erinnerung an ein nie eingelöstes Geschenk, das eine tiefe Liebe symbolisiert, genauso aber die Zeit, die ich in fünf Jahren NICHT hatte, um für einen Nachmittag abzuschalten. Der Gutschein ist längst abgelaufen, die Erinnerung an eine Frau, die bereits während des liebevollen Versuches einer Darbietung von Freude und Dankbarkeit, bereits wusste, dieser Gutschein gälte eines ewigen Lebens. Der Gutschein für mein Tattoo am Oberarm hingegen wurde eingelöst. Viereinhalb Jahre später, aber dennoch. Zwischenzeitlich wurde ich nämlich schwanger, gebar unser Kind, stillte achtzehn Monate lang, erkrankte an einer Grippe und schließlich kam meinem Termin der Lockdown quer. Gutschein check. Geschenk gut angekommen. Irgendwann dann. Danke Schatz! – An dieser Stelle.
  1. Haushaltsgeräte bitte an die Frau, versteht sich, den Werkzeugkoffer gefälligst an den Mann bitte! Also ich muss ja sagen, ich durfte äußerst begabte Handwerkerinnen und unfassbar ungeschickte Wesen aus dem männlichen Lager kennenlernen. Also, wenn schon, dann lasst uns doch mal ins 21. Jahrhundert rüberhüpfen, die 50er endlich hinter uns lassen und schenken wir der Lady einen Hammer, mit dem sie dem Mann zeigen kann, wie die Waschmaschine läuft! (Übrigens, bei uns ist mein Mann der affine Wäscher im Haus! So, à la, „Neeeeeein, wie kannst du bloß das Shirt bei 45,5 waschen???? Und du musst es ja vorher behandeln, diesen Fleck mit xy und jenen mit z, oder so!!!!)
  1. Socken. Unterhosen. Pygiamas. Bitte nicht falsch verstehen! Wir sprechen hier nicht von: Fair Fashion, Bio-Baumwolle BHs. Eher vom synthetischen Dreier- oder Viererpackungen „Nimm zwei, zahle eins“ – Prinzip.
  1. Ein besonders schönes Geschenk von einem Arbeitskollegen, worüber ich las. Ostereier. Liebevoll beklebt mit Glitzersternchen. Ihm wurde wohl zu Ostern von seiner Beschenkten erzählt, keine schönen Ostereier in ihrem Besitz zu haben. Perfekt, dachte er sich. Sie freute sich darüber – ein halbes Jahr später.
  1. Eine wiederkehrende Idee meinerseits: Bilder, selbstgemalt von meinen Kindern, für ihre Großeltern. Als ich nach langem in mein Elternhaus zurückkam, bemerkte ich gerührt und irritiert gleichermaßen, diese immens riesige Wand voller Bilder! Geburtstagsgeschenk Opa. Geburtstagsgeschenk Oma. Mal zwei, weil zwei Enkelkinder. Weihnachten. Ostern. Jahrelang. Man möchte meinen, sie hätten zwanzig Kinder und vierzig Enkelkinder. Oder würden einen Kinderhort leiten…
  1. Oh, noch eine mir erzählte Halbfreude: Christbaumschmuck! Was gibt es schöneres als am 24. Dezember Christbaumschmuck zu entpacken, ihn liebevoll gleich darüber aufzuhängen und wenige Tage später wieder abzuhängen, wegzupacken und auf dem Dachboden zu verstauen, um sich ein Jahr später darüber endlich zu freuen.
  1. Deo. Was bitte soll die Message dahinter sein? Ja, sorry, manchmal bin ich im Stress, da hilft mir aber auch kein Deo mehr!
  1. In einer äußerst bekannten Onlinegruppe von Frauen berichtet: Eine Duschhaube. Nett.
  1. Was ich zu Beginn immer sehr süß fand: Ein Ehemann schenkt seiner Ehefrau ihr Lieblingsparfüm (Nein, ist nicht dasselbe wie ein Deo zu schenken!). Als dieses allerdings 20 Jahre lang IMMER unter dem Weihnachtsbaum lag, selbst als die Frau längst ihr Parfum gewechselt hatte, wirkte es befremdlich. Immerhin besser als die Kette in „Tatsächlich Liebe“, die die Ehefrau kurz vor Weihnachten im Schrank findet, sie aber nie erhält (Stichwort: Assistentin).
  1. Da kommen wir doch gleich zum nächsten: Sex Toys! Yes! Das ist perfekt! Du sitzt da, in einem familiären Umfeld, nach langem sind auch Oma und Opa wieder dabei, aufgeregte und neugierige Nichten und Neffen. Was lugt denn da raus? Etwa ein Massagegerät? Oh, wohl für weiter unten. Weniger familienfein.
  1. Schneidebretter, Lebkuchenherzen oder jegliche andere Spruchoberflächen zum Wichteln. Na komm, „Mei liabstes Madl“ oder „Geile Sau“ oder was es sonst noch an hochrespektablen Sprüchen gibt, liest man doch gern zum besinnlichen Fest!
  1. Mein Opa bekam einst ein ausgestopftes Reh zu Weihnachten. Ich fand es als Kind schon äußerst gruselig, er als Förster ganz besonders charmant. Vielleicht eher für Tierliebhaber:innen der anderen Sorte.
  1. Ha! Eine Waaaaaaaaaaaage. So lange fühlte sich ihr gefühltes Ein- und Ausatmungsritual an, als die Empfängerin dieses ganz besondere Paket öffnete. Es war sicherlich nicht bös gemeint, aber eine Waage? Warum nicht gleich eine Bewerbung für „The Biggest Loser“?!

Aber am Ende der Geschichte geht es trotz all der Fauxpas nicht um den Gegenstand, die Karte oder das Bedruckte. Manche mögen Ostereier zu Weihnachten, abgelaufene Lebkuchenherzen, weil sie nach Omama riechen, Gutscheine, weil sie ihr Geschenk lieber selbst in die Hand nehmen. Andere lieben Socken, weil die alten alle schon ein Loch haben. Selbst das Parfum kann wunderbar ankommen, auch wenn schon gewechselt wurde. Warum? Weil es an viele gemeinsame Zeiten erinnert…

Am Ende geht es doch darum, sich in den Beschenkten einzufühlen, sich die Zeit zu nehmen, dem Ganzen einen Sinn zu geben. Darum, die Gabe als das zu sehen, was sie ist: ein Geben. Ein Geben von Gefühlen, Gedanken und Aufmerksamkeit.

Und sollte es unbedingt ein Krickl sein müssen, dann eher nicht bei Tierschützer:innen  (btw: es gibt mittlerweile auch schöne unechte 😉

Und es sei euch gesagt, ihr lieben Wildblüten: Wir dürfen uns erlauben, diese letzten Wochen eines nahezu absurden Jahres, bewusst zu erleben, gar zu genießen und unseren Mitmenschen Freude zu bereiten!

Und für individuelle und bezaubernde Geschenke findet ihr hier im Abo ganz zauberhafte Ideen!

Frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr,

Eure mit weihnachtlicher Stimmung geküsste Wortkünstlerin

Claudia hat diesen Beitrag auch als Audio eingesprochen – hier kannst du ihn anhören: 

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Fotos: Matiphotography 

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